Im schlimmsten Fall treibt die Reaktion der Erwachsenen auf das von Kindern und Jugendlichen begangene Unrecht sie gerade dahin, neues Unrecht zu tun. Ein gelungener Umgang damit fördert die Entwicklung des Verantwortungsbewusstseins.

Hilf dem Schüler zu erkennen, was er aus seinen Erfahrungen mit Verantwortungsübernahme gelernt hat und ermutige ihn, sich irgendeine Vorgehensweise auszudenken, durch die er auch andere darin unterstützen kann, aus seinen Erkenntnissen einen Nutzen zu ziehen.


Lehrer:
Was hast du aus all diesen Erfahrungen gelernt?
Schüler:
Häh?

Lehrer:

Was du getan hast, war nicht in Ordnung, aber du kannst stolz darauf sein, wie du Verantwortung dafür übernommen hast. Wenn du selbst einmal Kinder haben wirst und eins von ihnen so etwas tut wie du, was denkst du, wie du dich ihm gegenüber verhalten würdest?
Schüler:
Ich mach ihm klar, dass so was nicht geht, aber ich fang nicht an auszurasten, denn Kinder haben ja wohl das Recht, Fehler zu machen. Aus Fehlern kann man doch was lernen.

Lehrer:

Hört sich gut an. Vielleicht möchtest du ja einmal jüngeren behilflich sein, die ähnliche Fehler begehen, wie du sie begangen hast?
Schüler:
Könnt’ ich mir vorstellen, wenn ich gut genug für so einen Job bin.

Das grundlegende Ziel der Stufen der Verantwortung ist es, das Verantwortungsbewusstsein des Schülers in den Situationen zu fördern, in denen bereits Unrecht geschehen ist und der Schüler sich unsozial verhalten hat. Dass der Schüler die bisher beschriebenen fünf Stufen geschafft hat (d.h. dass er seine Tat zugegeben, die negativen Auswirkungen seiner Tat verstanden, sich entschuldigt und seine Tat wieder gutgemacht hat und dass er versprochen hat, Entsprechendes nicht wieder zu tun), garantiert noch nicht die Stabilisierung seines Verantwortungsbewusstseins. Der Schüler kann im Prinzip dem Anschein nach alles zufriedenstellend bewältigen, in Wirklichkeit jedoch dem ganzen Prozess gegenüber eine Haltung einnehmen, als handele es sich um ein notwendiges Übel.

Von Verantwortungsbewusstsein können wir erst dann sprechen, wenn der Schüler aufrichtig der Meinung ist, falsch gehandelt zu haben und es ihm mit seiner Äußerung ernst ist, dass er etwas Ähnliches nicht noch einmal zu tun beabsichtigt. Zu einem wirklichen Verantwortungsbewusstsein gehört auch die Sorge um andere, also das Interesse daran, dass auch andere sich von solchen Verhaltensweisen distanzieren.

Von einer wirklichen Einstellungsänderung zeugt, wenn ein Schüler bereit ist, an Aktivitäten teilzunehmen, die in der Schule durchgeführt werden, um ähnlichen Verhaltensweisen vorzubeugen. Aus diesem Grund sollte ihm stets die Möglichkeit angeboten werden, sich auf die eine oder andere Weise an einer solchen Präventivarbeit zu beteiligen. So verwandelt sich das vom Schüler begangene Unrecht sowie die damit verbundene Verantwortungsübernahme zu einem Kapital, das außer ihm selbst auch anderen Schülern und letztendlich der ganzen Schule nützt.

Wenn bekannt wird, dass der Schüler auch seinen Teil dazu beiträgt, ähnlichem Unrecht vorzubeugen, verbessert sich sein Ansehen und das Vertrauen ihm gegenüber kehrt zurück.

Beispiel
Ein Junge hatte seinen Klassenlehrer u.a. als „verdammten Arschficker“ beschimpft. Aufgrund des Vorfalls wurde in der Schule eine Sitzung einberufen, an der der Schulleiter, der Schüler, seine Eltern und der Klassenlehrer teilnahmen. Im Verlauf des Gesprächs wurde den Beteiligten deutlich, dass der Junge einsah, sich falsch verhalten zu haben und es ihm aufrichtig leid tat, solche Ausdrucksweisen benutzt zu haben. Er erklärte sich bereit, seine Beleidigung dem Lehrer gegenüber wieder gutzumachen. Am Ende der kurzen Sitzung empfahl der Schulleiter dem Jungen, dass er sich vielleicht in irgendeiner Weise an der gerade begonnenen Arbeit zur Verbesserung des Sprachgebrauchs der Schüler beteiligen sollte, falls er beweisen wolle, dass er tatsächlich hinter dem, was er während der Sitzung gesagt hatte, stehe. Der Junge teilte mit, dass er schon bereit sei, „etwas“ zu machen. Später hat er einen witzigen Aufsatz über einen Schimpfwörter benutzenden Computer geschrieben und wie es gelang, den Computer „salonfähig“ zu programmieren. Sein Aufsatz wurde in der Schulzeitung veröffentlicht und gab Anlass zu reger Diskussion sowohl unter den Schülern als auch unter den Eltern.


Zu dem Beispiel

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