Oft wird behauptet, dass vielen Problemen von Jugendlichen ihr schlechtes Selbstbewusstsein zugrunde liegt. STUFEN DER VERANTWORTUNG baut auf der Einsicht auf, dass Probleme von Jugendlichen weniger auf ein schlechtes Selbstbewusstsein, als vielmehr auf ein wenig entwickeltes Verantwortungsbewusstsein zurückzuführen sind.

Verantwortungsbewusstsein bedeutet, dass uns an anderen Menschen und an unserer Umgebung etwas liegt. Das heißt u.a., dass wir andere beachten, uns um die Gemeinschaft, in der wir leben, kümmern, Schwächere verteidigen und anderen Menschen behilflich sind. Während bei einigen das Verantwortungsbewusstsein wie angeboren scheint, muss es sich ein Großteil der Kinder in einem jahrelangen Lernprozess aneignen. Verantwortungsbewusstsein kann auf vielfältige Weise vermittelt werden, sowohl im Alltagshandeln als auch in all den Situationen, in denen ein Kind sich ungerecht und rücksichtslos verhält. Wenn es uns gelingt, auf unverantwortliches Verhalten von Kindern und Jugendlichen effektiv einzugehen, können wir bei ihnen ein Gefühl dafür entwickeln, was Verantwortungsbewusstsein überhaupt bedeutet.

Das Programm STUFEN DER VERANTWORTUNG liefert ein Interventionsmodell bei Regelverstößen und sozial nicht akzeptablem Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Die Absicht des Modells ist es, Schüler dazu anzuleiten, Verantwortung für ihr Verhalten und ihre Taten zu übernehmen. Die Idee dabei ist, dass durch die Verantwortungsübernahme auch das Verantwortungsbewusstsein des Schülers wächst und die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung der Verstöße abnimmt.

Unter Verstößen werden in diesem Zusammenhang jegliche unmoralische oder verbotene Verhaltensweisen verstanden, wie Stehlen, verbale, psychische
oder physische Gewalt, Mobbing, Erpressung, Vandalismus oder andere Verletzungen der gemeinsam vereinbarten Regeln.

Verantwortungsübernahme bedeutet einen phasenweisen Prozess, wobei ein Schüler, der Unrecht getan und sich unsozial verhalten hat

(1) damit einverstanden ist, darüber zu sprechen und zuzugeben, dass er es getan hat,

(2) zeigt, dass er die negativen Folgen seines Tuns versteht,

(3) sich für das Unrecht entschuldigt,

(4) damit einverstanden ist, für die Folgen seines Tuns aufzukommen, worüber mit anderen Beteiligten eine Vereinbarung getroffen wird,

(5) verspricht, etwas Entsprechendes nicht noch einmal zu tun und schon im Voraus eine Vereinbarung über die Folgen für den Fall trifft, dass er sein Versprechen bricht und

(6) Verantwortungsbewusstsein beweist, indem er in irgendeiner Weise sich daran beteiligt, entsprechendem Unrecht auch bei anderen vorzubeugen.

Diese sechs Phasen sind der Deutlichkeit halber wie folgt benannt worden:

1. ZUGEBEN
Der Schüler gibt sein Verhalten oder seine Taten zu.

2. VERSTEHEN
Der Schüler versteht die Wirkung seines Verhaltens und die Folgen seines Tuns.

3. SICH ENTSCHULDIGEN
Der Schüler zeigt, dass es ihm leid tut.

4. WIEDER GUTMACHEN
Der Schüler ist damit einverstanden, das Geschehene wieder gutzumachen.

5. VERSPRECHEN
Der Schüler verspricht, Entsprechendes nicht wieder zu tun.

6. VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN
Der Schüler zeigt, dass ihm daran liegt, dass auch seine Mitschüler nicht den Fehler begehen, Ähnliches zu tun.

Die Stufen der Verantwortung beinhalten an sich nichts Neues. Dieses Modell zielt darauf, uns noch einmal daran zu erinnern, was wir eigentlich schon lange wissen: formale und autoritär bestimmte Strafen helfen meistens nicht, verbotenes Verhalten zu verhindern. In einigen Fällen mögen sie es sogar verstärken. Das geschieht leicht, vor allem wenn ein Schüler seine Bestrafung als ungerecht erlebt und trotzig darauf reagiert. Eine geglückte Klärung von Regelverstößen hingegen kann eine langfristige positive Wirkung auf das Verhalten des Schülers haben, vorausgesetzt, dass er es als gerechtfertigt erlebt und dass die Klärung im Einverständnis mit ihm und den ihm wichtigen Menschen geschieht.


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