Das
grundlegende Ziel der Stufen der Verantwortung
ist es, das Verantwortungsbewusstsein
des Schülers in den Situationen zu
fördern, in denen bereits Unrecht
geschehen ist und der Schüler sich
unsozial verhalten hat. Dass der Schüler
die bisher beschriebenen fünf Stufen
geschafft hat (d.h. dass er seine Tat
zugegeben, die negativen Auswirkungen
seiner Tat verstanden, sich entschuldigt
und seine Tat wieder gutgemacht hat und
dass er versprochen hat, Entsprechendes
nicht wieder zu tun), garantiert noch
nicht die Stabilisierung seines Verantwortungsbewusstseins.
Der Schüler kann im Prinzip dem Anschein
nach alles zufriedenstellend bewältigen,
in Wirklichkeit jedoch dem ganzen Prozess
gegenüber eine Haltung einnehmen,
als handele es sich um ein notwendiges Übel.
Von
Verantwortungsbewusstsein können
wir erst dann sprechen, wenn der Schüler
aufrichtig der Meinung ist, falsch gehandelt
zu haben und es ihm mit seiner Äußerung
ernst ist, dass er etwas Ähnliches
nicht noch einmal zu tun beabsichtigt.
Zu einem wirklichen Verantwortungsbewusstsein
gehört auch die Sorge um andere,
also das Interesse daran, dass auch andere
sich von solchen Verhaltensweisen distanzieren.
Von
einer wirklichen Einstellungsänderung
zeugt, wenn ein Schüler bereit ist,
an Aktivitäten teilzunehmen, die
in der Schule durchgeführt werden,
um ähnlichen Verhaltensweisen vorzubeugen.
Aus diesem Grund sollte ihm stets die
Möglichkeit angeboten werden, sich
auf die eine oder andere Weise an einer
solchen Präventivarbeit zu beteiligen.
So verwandelt sich das vom Schüler
begangene Unrecht sowie die damit verbundene
Verantwortungsübernahme zu einem
Kapital, das außer ihm selbst auch
anderen Schülern und letztendlich
der ganzen Schule nützt.
Wenn
bekannt wird, dass der Schüler
auch seinen Teil dazu beiträgt, ähnlichem
Unrecht vorzubeugen, verbessert sich sein
Ansehen und das Vertrauen ihm gegenüber
kehrt zurück.
Beispiel
Ein Junge hatte seinen Klassenlehrer u.a.
als „verdammten Arschficker“ beschimpft.
Aufgrund des Vorfalls wurde in der Schule
eine Sitzung einberufen, an der der Schulleiter,
der Schüler, seine Eltern und der
Klassenlehrer teilnahmen. Im Verlauf
des Gesprächs wurde den Beteiligten
deutlich, dass der Junge einsah, sich
falsch verhalten zu haben und es ihm
aufrichtig leid tat, solche Ausdrucksweisen
benutzt zu haben. Er erklärte sich
bereit, seine Beleidigung dem Lehrer
gegenüber wieder gutzumachen. Am
Ende der kurzen Sitzung empfahl der Schulleiter
dem Jungen, dass er sich vielleicht in
irgendeiner Weise an der gerade begonnenen
Arbeit zur Verbesserung des Sprachgebrauchs
der Schüler beteiligen sollte, falls
er beweisen wolle, dass er tatsächlich
hinter dem, was er während der Sitzung
gesagt hatte, stehe. Der Junge teilte
mit, dass er schon bereit sei, „etwas“ zu
machen. Später hat er einen witzigen
Aufsatz über einen Schimpfwörter
benutzenden Computer geschrieben und
wie es gelang, den Computer „salonfähig“ zu
programmieren. Sein Aufsatz wurde in
der Schulzeitung veröffentlicht
und gab Anlass zu reger Diskussion sowohl
unter den Schülern als auch unter
den Eltern.